Fehltritt

Nur ein Schritt.

Ein paar Millimeter.

Setze ich meinen Fuß verkehrt, gerate ich ins Ungleichgewicht.

Ein kleiner Spielraum, der den Schwerpunkt verlagert.

Heute erst wieder gespürt. Als ich die Treppe saugte. Dieser kurze Moment, der alles entscheiden könnte. Mein Gewicht konnte ich noch verlagern und verhinderte einen Sturz rückwärts die Treppe herunter.

Einen Augenaufschlag später dachte ich in Bruchteilen einer Sekunde daran, dass die Art, wie ich die Treppe herunterfalle und unten aufkomme, darüber entscheidet, wie es mit meinem Leben weitergehen würde. Und mit dem Leben meiner Familie.

Wie oft es doch so ist im Leben.

Ein Leben am seidenen Faden. So zerbrechlich. So fragil. Und doch gleichzeitig so robust.

Ein Fehltritt. Eine verkehrte Entscheidung. Und ein Leben könnte zu Ende sein. Oder mehrere.

Ich saugte die Treppe zuende. Dachte dabei darüber nach, wie die vergangene Woche so verlief. Wofür ich Zeit, Gedanken und Kraft aufgebracht habe – und dass mir all das wiederum irgendwo für etwas fehlte. Vor allem für etwas, das mir eigentlich sehr gut täte. Das mich mit meinem Herzenskind und meinem Herzmenschen verbinden könnte. Irgendwie war es nicht ganz in Waage.

Und dann dachte ich, dass diese vergangenen Tage meine letzten hätten sein können – wäre ich auf der Treppenstufe einen Millimeter zu weit daneben getreten.

Das macht mich traurig. Demütig. Und auch wütend. Auf mich selbst. Weil ich meine Energie sinnvoller verteilen darf. Aber wie das so richtig geht, finde ich weiterhin für mich heraus.

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