
So langsam fühlt es sich wie das allmähliche Ende des Sommers an. Der Übergang zum Herbst drückt mit starkem Wind und Regengüssen gegen die Fenster. Mein persönlicher, zyklischer Winter kehrt ebenfalls langsam ein und zwingt mich in die Knie. Oder besser: Auf’s Sofa. Von dort lässt sich das Tanzen der Äste und Zweige im tosenden Wind wunderbar betrachten – und irgendwie hat es etwas beruhigendes.
Mit Körper und Geist im PMS-Modus kratze ich die wenigen Energiereserven und Konzentrationsfäden zusammen, um den Alltag weitestgehend aufrechtzuerhalten. Aber ich bin ehrlich: Wenn ich könnte, würde ich die meiste Zeit des Tages gerne schlafen. Jeder kleinste Handgriff, jede Interaktion mit meinen beiden Herzmenschen ist mal wieder zu viel für mich (alles darüber hinaus sowieso). Ich reiße mich zusammen, wo es geht. Und muss feststellen, dass ich manchmal große Schwierigkeiten habe, diesen Zustand von bleiernder Müdigkeit und fehlender Leistungsfähigkeit zu akzeptieren. Doch weiter über meine Kapazitäten zu gehen, schadet mir am Ende nur noch mehr.
Heute kamen mir einige Verbindungen in den Sinn, die ich in diesem Jahr vermutlich stark strapaziert habe. Für die ich sicher eine Enttäuschung war. Und wo ich mich unweigerlich frage, ob ich ein schlechter Mensch bin, weil ich keinen zufriedenstellenden Beitrag mehr zum Miteinander leisten konnte. Denn ich habe ehrlich gesprochen, um meine Sicht klarzustellen – aber mit der Haltung, dass unterschiedliche Meinungen gut nebeneinander stehen bleiben können. Nicht immer gelingt das gut – von meiner oder der anderen Seite her. Dann habe ich das Gefühl, ich solle trotzdem alles genau so sehen und fühlen, wie der andere. Manchmal darf man sich einig sein, dass man sich uneinig ist. Doch wie gut kann man dann noch nebeneinander miteinander sein? Manchmal sind die Differenzen zu groß, scheinbar. Dann herrscht vielleicht Funkstille oder es brechen auch mal Kontakte ab.
Nicht nur mit mir wurde Kontakt abgebrochen. Auch ich musste mir eingestehen, dass ich zum einen keine Kapazitäten mehr habe, um mit vielen Menschen gleichzeitig und oft in aktivem Austausch zu stehen – und meine eigene Initiative, halbregelmäßig bei sämtlichen Menschen einzuchecken, gen Null wandert. Und dann durfte ich auch spüren, dass mir manche Verbindungen selbst nicht mehr gut tun. Dass ich mir erlauben darf, auf mein Gefühl zu hören – und es nicht ständig mit Verstand und Gewissen überreden werde. Ja, vielleicht hab auch ich an der einen oder anderen Stelle dieses Ghosting benutzt – weil ich keine Ahnung mehr hatte, was ich noch sagen sollte und spürte, dass einfach irgendetwas nicht passte. Und nicht alles lässt sich begradigen, denke ich. Ich habe mich an einigen Stellen falsch verhalten und hätte es schöner lösen können. Vielleicht erlaube ich mir gerade, das nicht alles ordentlich zu lösen. Weil meine Ressourcen begrenzt sind.
Ja, vielleicht bin ich in der Geschichte der anderen dann ein schlechter Mensch, weil ich mich nicht (mehr) nach Wünschen und Erwartungen verhalten habe. Weil ich nicht mehr ständig nur die Faust in der Tasche geballt habe, um irgendwie einen faulen Frieden aufrecht zu erhalten. Dennoch kann ich im Mitgefühl für die anderen bleiben – auch wenn es nicht überall passt. Doch wie sagt Herzmensch oft so schön: Du darfst auch für dich selbst im Mitgefühl sein.
