Pieks.
Autsch.
Ein Stechen im Rücken.
Wo kommt das denn jetzt her?
Mit einmal kann ich mich nicht mehr zur linken Seite drehen. Tief einatmen fällt ebenfalls schwer. Ich spüre die Verhärtung im Muskel neben meiner Wirbelsäule.
Ich reibe die betroffene Stelle mit einem durchblutungsfördernden Mittel ein. Wärme. Wärme. Wärme. Nachts schlafen? Nur mit vielen Unterbrechungen, weil jede Bewegung schmerzt. Als würde der permanent stechende Schmerz nicht genügen – es muss also auch nochmal eine Kelle Schlafmangel oben drauf kommen. Irgendwann hilft ein Schmerzmittel, um halbwegs ohne Schonhaltung und Anspannung durch den Tag zu kommen – denn klar, Herzmensch arbeitet und ich bin die meiste Zeit mit Herzenskind allein.
Stimmung? Unausgeglichen. Verständlich. Und dennoch: Ich bin genervt von mir selbst. Von meinem Körper. Der wieder auf die Bremse tritt und mich von Aktivitäten fernhält. Denn wem gehen dabei Erfahrungen verloren? Genau, unserem Kind.
STOP.
Ganz schön negative Gedankenspirale. Wie kann ich meine Situation gerade wohlwollender betrachten?
Ich sehe mal wieder nicht, was alles vor diesen Rückenbeschwerden los war. Dass da eine Menge Aktivität war. Aufregung. Anspannung. Immer wieder mit Herzenskind raus, Unternehmungen, ein paar Tage Familienbesuch hier und da. Die vielen Gespräche mit Entscheidungsträgern und Helfern für unseren Alltag, die mich erschöpf(t)en. Das wechselhafte Sommerwetter, die warmen Nächte – was zusätzlich an der Substanz zerrt, wenn man für diese Temperaturen nicht gemacht ist. Ach ja – und dann waren da ja noch die Mandelentzündungen bei mir und Herzmensch. Am Abend, als die Rückenschmerzen begannen, lag ein Tagesausflug mit Herzenskind ans Meer hinter uns – der wunderschön war! Und dennoch auch etwas von mir gefordert hat.
Immer dieses Hin- und Herrechnen. Wieviel geben wir rein, wieviel kommt am Ende bei Aktivitäten für uns raus? Alles muss bedacht werden. Wenn es unbekannte Strecken und Orte sind, kundschafte ich zuvor online die Umgebung etwas aus: Imbiss, Toiletten, im Sommer schaue ich nach Schattenplätzen, Entfernungen von Parkplätzen zu den Attraktionen – schafft mein Kind das zu Fuß oder sollte ich lieber als Back-up den Hänger mitnehmen? Ich brauche diese Sicherheiten im Vorfeld, um halbwegs zu wissen, was mich in unbekannten Situationen erwartet. Vor allem, wenn ich mit Herzenskind allein unterwegs bin, was meistens der Fall ist. Da muss ich davon ausgehen, dass mein Kind überall mitkommen muss – und das kostet Kooperation und Kraft von diesem kleinen Menschen.
Ich kann mich also kaum drehen und wenden. Muss meine Bewegungen ganz bedacht durchführen. Verbiegen? Fehlanzeige. Mein Körper zeigt mir offenbar, dass ich genau das wieder eine ganze Weile getan habe. Immer mal mehr zurückgesteckt, angepasst – weil es nicht anders möglich war. Ich habe mich häufig unter Anspannung viel zu schnell bewegt – das geht jetzt nicht. Mein Körper schickt mir nun also eine schmerzhafte und liebevolle Erinnerung: Hey, pass besser auf Dich auf! Mach langsam.

Danke, Körper, dass Du für mich sorgst. Und tut mir Leid, dass ich in letzter Zeit mal wieder nicht gut auf Dich geachtet habe. Wir sind ja schon ein Team und scheinbar denke ich immer wieder, dass ich das schon alles schaffen werde. All die Verantwortung, Sorgen, Gedanken, Ängste in der Mutterschaft und für meine Familie ist eine große Nummer für mich. Ich darf mir wirklich mehr Scheuklappen aufsetzen, nicht immer wieder in den Vergleich gehen, was andere Frauen und Mütter so imstande sind zu leisten- denn am Ende schneide ich dabei in meinem Kopf grundsätzlich schlecht ab. Ich darf mich wieder mehr von innen stärken und ausrichten. Mehr das sehen, was doch alles läuft „trotz mancher Umstände“. Was mich dabei nämlich am meisten erschreckt: Wie schlecht ich immer wieder selbst von mir denke und spreche. Die abwertenden Bezeichnungen mir selbst gegenüber spreche ich blöderweise auch manchmal vor meinem Herzenskind aus – gar nicht cool, ich weiß. Dass dieser kleine Mensch dann schon beinahe selbstverständlich sagt, dass das nicht stimmt, was ich da selbst über mich sage, sollte mich eigentlich wachrütteln! Er muss mich nicht trösten. Und vor allem: Was entsteht bei ihm für ein Bild? Eine Mutter mit geringem Selbstbewusstsein, die nur wenig von sich selbst hält. Stark? Eher nicht. Vermittelt das Sicherheit und Vertrauen? Vermutlich auch nicht. Ich darf da also nochmal genauer hinsehen, denn wir alle profitieren davon, wenn ich nochmal eine ganze Portion Selbstbewusstsein inhaliere.
Ganz ehrlich? Alles unter einen Hut zu bekommen. Sich selbst nicht zu vergessen. Überblick behalten. Optimistisch bleiben. Manchmal, ach was, oft ist das ganz schön krass. Wie oft habe ich in den letzten fünf Jahren schon gesagt „Ich kann nicht mehr„. Und es geht weiter. Immer weiter. Gefühlt mit Akku auf absolutem Minimum und mit ganz wenigen Energiespitzen. Hört man von mir auch mal was anderes? Nö, leider noch nicht. Aber irgendwann gibt’s hoffentlich mal ein anderes Thema als meine permanente Erschöpfung. Ich bin dran und probiere noch einmal neue Wege aus, um meine Energiespeicher zu füllen. Dabei brauche ich allerdings viel viel Geduld. So schnell, wie mit der Dose Spinat bei Popeye, klappt’s leider nicht mit Energie. Schade eigentlich.
