Für mich

Jeden Morgen, wenn ich aufwache und mich für einen Moment auf die Bettkante setze, schaue ich auf das kleine Tischchen neben meinem Bett. Darauf liegt mein drittes Buch. Jeden Morgen blicke ich also auf dieses schöne, bunte Cover, das so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Jeden Morgen blicke ich auf dieses Buch, das ich über die Wintermonate in meinem bunten Alltag realisiert bekommen habe – mit eigenen Texten und passenden Illustrationen. Ich habe irgendwo noch Energie abzapfen können. Habe meinen Hyperfokus genossen, der mich angetrieben hat – immer mit dem Bild vor Augen, wie mein Buch am Ende aussehen könnte.

Warum ich das Buch neben mein Bett gelegt habe? Weil es mich zu Beginn und am Ende des Tages daran erinnert, dass ich neben der Begleitung meines Kindes und der Care-Arbeit daheim in der Lage bin, etwas für mich zu tun. Etwas, worin ich mich ausdrücken kann. Wie oft ist noch ein abwertendes Bild von Hausfrauen und Müttern in den Köpfen verankert? Ich bin mittlerweile seit über acht Jahren ohne Erwerbstätigkeit – mit Ausnahme der geringfügigen Beschäftigung zwischendurch. Für meinen Herzmenschen und mich passt das so. Ist abgesprochen. Schon bevor unser Kind auf dem Weg war. Und auch wenn wir uns nach unseren Stärken einteilen und ich mit der Care-Arbeit zumeist ziemlich ausgefüllt bin, möchte mein Kopf, mein Geist, dennoch stets und ständig Abwechslung. Input. Ausgleich. Ich lese. Ich schreibe. Versuche all das nach außen zu befördern und bewusst zu betrachten, was sich fortwährend in mir abspielt. Meine Möglichkeiten, mich außerhalb meiner vier Wände zu verwirklichen, sind mit eigener Neurodivergenz und der meiner beiden Herzmenschen noch etwas begrenzt. Eine Teilzeit- geschweige denn eine Vollzeit-Erwerbstätigkeit für mich ist in unserem Alltag weiterhin nicht realisierbar.

Und wenn man dann Bücher schreibt, sie mit der Welt teilt, ist der Wunsch natürlich gegenwärtig, dass einige Menschen auf die Bücher aufmerksam werden und sie im besten Fall sogar erwerben. In den vergangenen Tagen dachte ich noch daran, dass ja oft von einem „Buchbaby“ gesprochen wird, wenn es in der Entstehung ist. Und hier sah ich eine Parallele zu Familien: Das Umfeld zeigt oft noch größere Freude und Anteilnahme beim ersten Kind. Mit zunehmender Zahl der Kinder stellt sich eher verhaltene Freude ein. Schon komisch, oder? Dabei sage ich selbst oft: In der Wiederholung liegt der Zauber, wenn wir Menschen wieder und wieder Dinge tun und sagen. Eigentlich schade, dass da sowas wie Abstumpfung in uns stattfindet. So erfährt also mein Nervensystem eine korrigierende Erfahrung: Nach der Euphorie meines Umfelds über das erste Buch, scheint sich nun weniger Freude und Anteilnahme zu regen. Sei es drum.

Gehe ich noch einmal auf die Monetarisierung ein, war mir im Vorfeld natürlich bewusst, dass man als kleiner Autor kein Vermögen erzielt. Und: Es war auch nicht mein oberstes Ziel. Vielmehr wollte ich etwas in den Händen halten, das ich erschaffen habe. Denke dabei immer an „Herr der Ringe“ und die Hobbits – denn irgendwie erfüllt es wohl die meisten Menschen, etwas mit den eigenen Händen, aus eigener Kraft zu verwirklichen.

Nun leben wir in Zeiten, in denen digitale Medien den Alltag ausfüllen. Ich bin auch sehr dankbar für die Möglichkeit, hier online meine Beiträge zu teilen und in den Austausch zu gehen. Das bereichert mich. Wie beliebt sind Bücher eigentlich noch? Mich erfüllt es noch viel mehr, ein Buch in den Händen zu halten, statt ausschließlich auf einem Bildschirm Texte zu lesen. Hier hoffe ich, dass es auch noch vielen anderen Menschen so geht. Dass Bücher, vor allem das physische Medium, weiterhin ein großer Teil des Glücks bleiben werden. Dass auch meine Bücher in dem einen oder anderen Bücherregal stehen werden und sich Menschen mit mir daran erinnern dürfen, wie toll es ist, sich einen kleinen oder großen Traum zu erfüllen. Dass es möglich ist, in Zeiten von größten Herausforderungen und Schicksalsschlägen, mit großen Gefühlen und Erschöpfung im Gepäck – doch noch Energie zu mobilisieren und etwas zu erschaffen, das einen selbst mit Stolz erfüllt.

Und diesen Gedanken nehme ich jeden Morgen mit in den Tag und jeden Abend mit in die Nacht: Ich habe das für mich getan. Ich bin stolz auf mich. Ich bin dankbar, dass es möglich war.

Hast Du Gedanken dazu? Schreib doch gerne einen Kommentar.