Mit dem Kaffee auf der Bank

Die Erkältung von Herzenskind nun endlich abgeklungen, vereinbarte ich für ihn das nächste Treffen mit seiner Schulfreundin. Und schon bringen zwei Konfettikopf-Kinder ordentlich Leben in unser Zuhause. Im Vorfeld beschloss ich bereits, die beiden auf einen großen Spielplatz in einem nahegelegenen Park zu begleiten. Doch da sind natürlich nicht nur Bäume und Spielgeräte – nein, da sind auch Tretboote, ein Kiosk, eine Minigolf-Anlage und eine temporäre Veranstaltungswiese mit Buden, Hüpfburg und Musik. Kurzum: Reize und Dopamin im Überfluss. Was das mit dopaminsuchenden Kindern macht? Noch mehr Konfetti im Kopf. Am liebsten alles und sofort machen. Dann doch bitte auch das heißgelaufene System mit einem kühlen Eisprodukt erfrischen.

Und ich stehe da. Mit meinem Korb, in dem sich Proviant für alle befindet. Für jeden Appetit was dabei. Bleibe klar und sage nein – aus Gründen. Herzenskind kocht über. Frust aushalten und begleiten. Ich verstehe ihn. Raus aus der Situation.

Schließlich kommen wir auf dem Spielplatz an, nachdem wir die reizvolle Umgebung hinter uns gelassen haben. Die beiden Kinder laufen drauf los, erkunden die Spielgeräte. Lachen. Haben sichtlich Freude. Und ich? Mache etwas, das mir sonst immer nicht möglich war: Ich setze mich auf die Bank. Nehme meinen Thermobecher aus dem Korb. Trinke den Kaffee, den ich mir daheim vorbereitet habe. Und schaue einfach nur mal zu. Bin mal nicht mitten drin und dabei. Für einen Moment erlebe ich das, was für viele Eltern normal zu sein scheint: Ich darf sitzen. Durchatmen. Mit der Gewissheit: Die Kinder spielen gerade. Mein Kind braucht mich gerade nicht permanent.

Und als ich mein Herzenskind dabei beobachte, wie er so auf die Geräte klettert. Wie er sich noch mehr traut, als noch beim letzten Mal auf dem Spielplatz. Da steigen mir Tränen in die Augen. Vor lauter Rührung und Stolz. Dass dieser kleine Mensch immer wieder ein Stück über sich hinauswächst. Dass mittlerweile in kleinen Schritten mehr möglich wird, was lange Zeit gar nicht denkbar war.

In diesem Moment auf der Bank breitet sich Dankbarkeit in mir aus und stellt all das, was gleichzeitig zunehmend herausfordernder für mich wird, in den Schatten. Dieser kleine Mensch, der gar nicht mehr so klein daherkommt, zeigt mir immer wieder, dass in einem Tag so viel Überraschung stecken kann. So viele Gefühle. So viel Leben.

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