Dienstende

Als ich kürzlich an einem Neubau eines Krankenhauses vorbeifuhr, stellte ich mir für einen kurzen Moment vor, wie das Pflegepersonal künftig darin die Patienten versorgen wird. Ich dachte kurz darüber nach, als ich noch in Kliniken arbeitete und besonders den Moment liebte, wenn ich nach getaner Arbeit das Gebäude verließ. Wenn abends alle Fenster erleuchtet waren und die Patienten allmählich die Nacht eingeläutet bekamen. Irgendwie lag etwas Friedliches in diesem Moment. Ruhe kehrte ein. Vor allem in mir. Denn ich hatte wieder einen Dienst geschafft. Eine Arbeit, die an Reizen, Anforderungen und menschlichen Begegnungen nur so überläuft. Mein Körper zeigte mir nach jedem Dienst, was es mir abverlangte: Verspannter Nacken, Rückenschmerzen. Nicht selten: Migräne. Manch eine Patientengeschichte ging nicht spurlos an mir vorbei  – oft reichte der Heimweg nicht, um abzuschalten.

Ich bin aufgegangen im Pflegeberuf. Vor allem dann, wenn ich ausreichend Zeit für die Patienten hatte, was in meinem letzten Arbeitsverhältnis der Fall war. Eine kleine Versorgung, ein tolles Team und viel Beziehungspflege. So etwas in der Art noch einmal zu finden, ist sicher ein Glücksfall.

Und als ich da so kurz an meine Zeit in der Krankenpflege dachte, wurde mir wieder deutlich: Das ist weit weg. Nicht nur in der Vergangenheit – sondern auch in der Zukunft. Meine berufliche Situation wird wohl noch einige Zeit unverändert bleiben. Viele Ideen und Möglichkeiten sammeln sich inzwischen an. Ich kann mir einiges gut vorstellen – für sich allein oder auch in Kombination.

Das, was ich gerade rund um die Uhr tue, ist Verantwortung genug. Ich pflege trotzdem. Unentgeltlich. Kein Feierabend. Kein Urlaub. Kein Krankenschein. Falle ich aus, könnte es höchstens einer übernehmen – und selbst das ist nicht drin. Ich bin ehrlich: Mehr Pflege schaffe ich zur Zeit nicht. Ich würde keinem gerecht werden – mir sowieso nicht. Denn als ich in die kurze Rückschau ging und über meinen Pflegeberuf sinnierte, wurde mir klar: Selbstfürsorge ist in pflegenden Positionen ein Drahtseilakt. Ich bin dankbar, dass ich diese Kür bisher nur daheim mit meiner Familie absolvieren darf – und sie nicht auf eine Erwerbstätigkeit ausweiten muss.

Dennoch gibt es diese Momente, in denen mir das damalige Gefühl nach Dienstende wieder präsent wird: Diese tiefe Zufriedenheit bei gleichzeitiger Erschöpfung. Das Glücksgefühl, wenn Patienten sich für die gute Pflege bedankt haben. Die Stimmung im Team, wenn wir gemeinsam einen guten Dienst gerockt haben. Selbst, wenn alles drunter und drüber ging.

Ich pflege weiterhin. Wenn auch anders. Irgendwie ist das wohl ein Stückchen Berufung.

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